Baby-led weaning – BLW – Beikost nach Bedarf

Baby-led weaning – BLW – Beikost nach Bedarf

Eigentlich ist „Beikost nach Bedarf“ keine gute Umschreibung für „Baby-led weaning“ (BLW) bei dem es darum geht, ein Baby von Beginn an selber essen zu lassen.

Babygeführtes Abstillen

Denn das englische „to wean“ bedeutet abstillen, entwöhnen. Und somit heißt es tatsächlich „Babygeführtes Abstillen“.

Wie auch immer – BLW ist eine mögliche Abstillmethode, die basierend auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt wurde. Dabei soll der Abstillvorgang und der Wechsel zu fester Nahrung im Wesentlichen vom Baby selbst gesteuert werden. Erreicht wird es, indem sich das Baby vom Beginn des Abstillvorgangs selber füttert.

Genauso wie dem Baby beim Stillen die Brust angeboten wird und es sich „selbst bedient“ und selbst bestimmt wann es genug hat, werden ihm beim „Baby-led weaning“ babyfaustgroße Stücke Obst und Gemüse angeboten, woraus es selber auswählen und essen darf. Die Kinder bekommen also keine Breinahrung.

Start zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat

Mit dem „Babygeführten Abstillen“ kann man ca. ab dem 5. bis 7. Lebensmonat starten, wenn die Entwicklung des Kindes darauf hinweist, dass das Baby nun mit fester Nahrung umgehen kann.

Dazu muss das Baby fähig sein, aufrecht zu sitzen, es muss an den Mahlzeiten teilnehmen wollen und vielleicht schon anfangen, nach Essen zu greifen und es in den Mund zu stecken.

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Der von der WHO zur Verfügung gestellte 6-Monate-Leitfaden basiert auf Forschungsergebnissen, die zeigen, dass das interne Verdauungssystem des Kindes zwischen dem 4. und 6. Lebensmonat ausreift.

Es scheint sicher, dass das Verdauungssystem parallel mit den motorischen Fähigkeiten des Babys, sich selbst zu füttern, ausreift. Um das Interesse des Kindes zu wecken, werden verschiedene Speisen angeboten.

Baby beim EssenDas Baby lernt zunächst, Essen in die Hand zu nehmen und davon zu probieren. Zunächst nimmt das Baby nur wenig der festen Nahrung zu sich, vorwiegend entdeckt es Beschaffenheit und Geschmack der angebotenen Kost.

Bald allerdings beginnt es damit, das ihm angebotene Essen zu schlucken und zu verdauen. Es wird weiterhin gestillt und Milch wird im ersten Lebensjahr immer vor dem Essen fester Nahrung angeboten.

Die 16 goldenen BLW-Regeln

1. Lass das Baby bei den Familienmahlzeiten mitmachen. Gegen Ende des sechsten Monats fangen die meisten Babys an, die Familienmitglieder zu beobachten.

2. Das Baby muß aufrecht sitzen wenn es beginnt mit Essen zu experimentieren. Am Anfang kann es auf dem Schoß sitzen. Wen es anfängt das angebotenen Essen in die Hand zu nehmen, ist es wahrscheinlich auch in der Lage, ggf. abgestützt, im Hochstuhl zu sitzen.

3. Biete dem Baby Essen in Pommes-großen Stiften an, so daß es das Essen in die Faust nehmen kann. Es kann oft auch dieselben Sachen essen, die der Rest der Familie ißt. Dies erhöht das Zusammengehörigkeitsgefuehl.

4. Biete eine reiche Auswahl an unterschiedlichen Lebensmitteln an. Es besteht kein Grund die Experimentiermöglichkeiten einzuschränken.

5. Das Baby bestimmt die Dauer der Mahlzeiten. Versuche es nicht zu eilen und “hilf” nicht, indem dem Baby Essen in den Mund gelegt wird.

6. Erwarte nicht, daß das Baby am Anfang tatsächlich etwas isst. Wenn das Baby feststellt, daß das neue “Spielzeug” gut schmeckt wird es kauen und später auch schlucken.

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7. Erwarte nicht, daß ein junges Baby alles aufißt. Babys müssen erst noch die Fähigkeit entwickeln, die Stücke, die sie in der Faust haben zu manipulieren.

8. Biete abgelehntes Essen erneut an. Babys ändern öfters ihre Meinung über Geschmäcker und akzeptieren Essen, daß sie früher abgelehnt haben.

9. Lass ein Baby niemals alleine beim Essen.

10. Biete kein gefährliches Essen an (Beispiel: Erdnüsse).

11. Biete kein Essen an, das Salz oder Zucker enthält. Dies gilt besonders für Fertiggerichte und Fast Food

12. Biete dem Baby Wasser aus einem Becher an. Ein gestilltes Baby benötigt zwar kein zusätzliches Wasser (die Muttermilch reicht aus), das Trinken aus dem Becher muß aber auch erlernt werden.

13. Es ist chaotisch und der Putzlappen wird eine Notwendigkeit! Eine Plastikmatte unter dem Hochstuhl schützt den Teppich und hilft beim Aufräumen. Heruntergefallenes Essen kann auch so wieder verwendet werden – das minimiert den Abfall.

14. Still weiterhin nach Bedarf. Die Stillmahlzeiten ändern sich erst, wenn die Mahlzeiten größer werden.

15. Sprich Dich mit Deinem Kinderarzt oder –krankenschwester ab bevor Du mit BLW anfängst – insbesondere wenn das Baby flaschengefüttert wird, oder wenn es in der Familie Fälle von (Lebensmittel-)Allergien gibt.

16. Genieße es! Es macht einfach Spaß zuzusehen, wie ein Baby Essen entdeckt.





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3 Kommentare zu “Baby-led weaning – BLW – Beikost nach Bedarf”

  1. Nun gut, meine Meinung dazu: mit dem Essen spielt man nicht!
    Ich persönlich bin zwar auch dafür, Kinder selbst essen zu lassen (und zwar mit dem Löffel, sobald sie das beherrschen) und auch mal im Essen zu matschen. Grundsätzlich möchte ich aber schon, dass Essen Essen bleibt und dass damit nicht gespielt wird.

    Ich bin nämlich nicht der Meinung, Essen sei zum Spielen da. Jedoch bin ich der Meinung, dass auch ein Kleinkind gewisse Tischmanieren erlernen soll und auch kann. Ein Zweijähriger, der weder Löffel noch Gabel bekommt und sein Essen mit der Hand essen soll – das muss für mich nicht sein!

    Wenn ein Kind von Anfang an sieht, dass man Essen nicht unbedingt antatschen muss, wird dies für das Kind völlig normal sein. Und wenn es lernt, das Essen mit dem Besteck zu seinem Mund zu führen, dann schult es ebenso seine Sinne.

    Und diese Regeln des BLW!

    „Lass das Baby bei den Familienmahlzeiten mitmachen. Gegen Ende des sechsten Monats fangen die meisten Babys an, die Familienmitglieder zu beobachten.“
    oder
    „Das Baby kann oft auch dieselben Sachen essen, die der Rest der Familie isst. Dies erhöht das Zusammengehörigkeitsgefühl.“

    Wenn mein Kind uns beim Essen beobachtet, wird es niemanden sehen, der sein Essen mit den Händen mampft. Wir essen alle mit Besteck… Oder müssen wir jetzt aus Gründen des „Zusammengehörigkeitsgefühls“ auch anfangen mit den Händen zu essen?

    Aber so richtig Gänsehaut bekomme ich bei dieser „Regel“:

    „Es ist chaotisch und der Putzlappen wird eine Notwendigkeit! Eine Plastikmatte unter dem Hochstuhl schützt den Teppich und hilft beim Aufräumen. Heruntergefallenes Essen kann auch so wieder verwendet werden – das minimiert den Abfall.“

    Heruntergefallenes Essen kann so wieder verwendet werden?!?!? Das minimiert den Abfall?!?!?!

    Ich möchte mich in meinem Zuhause wohl fühlen. Da gehört für mich auch dazu, dass nicht rumgesaut wird. Schon gar nicht mit dem Essen! Auch möchte ich Essen vom Boden meiner Kleinen nicht wieder anbieten. Egal ob jetzt eine Plastikmatte darunter liegt oder nicht.

    Ganz abgesehen davon, dass auch mein Mann und ich noch in unserer Wohnung leben und nicht nur unser Kind. Und wir wollen in unserem Wohnzimmer eigentlich auf keinen Fall eine Plastikmatte rumliegen haben.

    Nun gut, dies ist halt meine Meinung. Mein Weg ist BLW auf jeden Fall nicht.

    Die Einführung der Beikost ist eben ein sehr kontroverses Thema, das wohl jeder ein bisschen anders handhabt.

  2. Tante Rosa, Es geht nicht primär um ein Spielen, sondern um ein Entdecken. Stressfrei.
    Meine kleine isst mit noch nicht ganz 6 Monaten bereits reiskörnchen, ohne sich zu verschlucken. Fühlt sich aufs erste noch komisch an, aber für uns stimmt es so. Sie kriegt, was wir essen. Übrigens ist bei uns der Lappen nicht von nöten. Sie isst das, was sie kriegt sehr sauber. Bis jetzt wenigstens. Ich kann es nur empfehlen!

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