Kinder-Fitness: Zu viel elterliche Sorge kann schaden
Foto / Privatarchiv E.R.

Kinder-Fitness: Zu viel elterliche Sorge kann schaden

Wissenschaftler fordern, unseren Nachwuchs mehr selbst machen zu lassen.

Immer mehr Kinder in Deutschland erhalten medizinische Bewegungsförderung, berichtet die Zeitschrift ELTERN in ihrer Juli Ausgabe. Beispiel Ergotherapie: Nach Angaben des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sind allein 38 Prozent aller Patienten Jungen unter zehn Jahren. Werden unsere Kinder immer unbeweglicher?

Die Sportwissenschaftlerin Prof. Renate Zimmer von der Universität Osnabrück kommentiert die Zahl so: „Das Problembewusstsein bei Eltern und Kinderärzten ist gestiegen. Früher ging man eher davon aus, dass sich Entwicklungsrückstände von selbst auswachsen.“

Rennen, Klettern, Balancieren

Tatsächlich tun sich heute viele Kinder beim Rennen, Klettern oder Balancieren schwerer als noch vor 20 Jahren. Prof. Zimmer: „Eine steigende Zahl wächst als Einzelkind auf, sehr umsorgt von Eltern und Großeltern – noch eine Generation vorher liefen Kleinkinder stärker bei den größeren Geschwistern mit, hatten mehr Freiräume sich auszuprobieren, ohne dass ein Erwachsener eingriff.“

Lasst die Kinder selber machen

Vor diesem Hintergrund fordern Wissenschaftler wie Prof. Zimmer Eltern auf, ihre Kinder mehr selbst machen zu lassen. Denn übertriebene Vorsicht verhindere, dass die Kleinen ihr Körpergefühl schulen. So seien zum Beispiel Treppen im Haus eine prima Trainingsstrecke für Krabbelkinder. Hier gilt: Lieber öfter dabei sein, als immer das praktische Sicherheitsgitter abzuschließen!

Und wenn Einjährige ihren Buggy mit Freude schieben, statt drinzusitzen, geht es zwar im Schneckentempo voran – aber sie lernen etwas fürs Leben über Kraft und Gleichgewicht. Natürlich sind Dreirad oder Bobbycar mit Schiebestange flotter – jedoch nicht für den Dauereinsatz, warnen Experten. Prof. Zimmer: „Hilfen dieser Art vermitteln dem Kind ein trügerisches Erfolgserlebnis! Es merkt gar nicht mehr, dass es selbst aktiv werden muss, um voranzukommen…“

 

Quelle: Gruner + Jahr, Eltern





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